Digitalisierung der Literatur  

 

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BŸcher,Bits & Bytes – Digitalisierungsprozess spiegelt sich auf der Frankfurter Buchmesse

 

15.09.2006            Frankfurter Buchmesse

 

Jenseits von Hype und blindem Fortschrittsglauben zeigt die Buchmesse, welche Entwicklungen auf die Verlage zukommen.

 

CD-ROMs, DVDs, HšrbŸcher, Online-Datenbanken und eBooks: Gebundene BŸcher sind bei weitem nicht das einzige, was auf der Frankfurter Buchmesse gezeigt wird (siehe Infokasten I). Glatte 30 Prozent des Angebots sind digitale Produkte. Dieses PhŠnomen springt im Ausstellerbereich ãFach- und Wissenschaftsverlage, InformationsmanagementÒ besonders ins Auge. Denn hier scharen sich die gro§en Fachverlage wie Springer, WoltersKluwer und de Gruyter, Online-Giganten wie Google oder Amazon und auch kleinere, innovative Firmen, die sich zum Beispiel am Stand des AkV, dem Arbeitskreis kleinerer Verlage des Bšrsenvereins des Deutschen Buchhandels, prŠsentieren. Doch auch in PopulŠrwissenschaft, PŠdagogik und Reiseliteratur oder sogar Belletristik und Kinderbuch hat die Digitalisierung Einzug gehalten.

 

Spezialisten kšnnen sich auf der Buchmesse umfassend Ÿber neue Trends informieren – sowohl an den StŠnden und in Diskussionsforen der Messe, als auch auf der parallel stattfindenden DGI-Online-Tagung im Congress Center des MessegelŠndes. Geballte Information, von Fachleuten vorgetragen, verhilft interessierten Fachbesuchern zu einem umfassenden †berblick Ÿber die Branche und versetzt sie in die Lage, neue Entwicklungen und Trends fŸr die eigene Berufspraxis einschŠtzen zu kšnnen.

Die digitale Revolution schreitet unaufhaltsam voran .

 

Bereits 1993 stellte die Frankfurter Buchmesse die Elektronischen Medien mit einer bis dato unerreichten AusstellungsflŠche ins Rampenlicht. Die Verlage nahmen den Trend ebenfalls begeistert auf. Niemand wollte den neuen Markt verschlafen, die Presswerke fabrizierten CD-ROMs in betrŠchtlichen Auflagen. Dieser Euphorie fŸr CD-ROMs folgte die begeisterte Entdeckung der Mšglichkeiten des Internet. Aber mit der darauf folgenden Marktbereinigung innerhalb der New Economy stieg auch die Unsicherheit im Handel, inwieweit elektronisches Publizieren relevant sei.

 

Inzwischen haben sich klare Marktpotenziale heraus gebildet: Sprachen lernen sich besser multimedial, das belegen auch die Studien der Lernpsychologie und Gehirnforschung. Lernsoftware in Vorschule und Schule veranschaulichen ZahlenrŠume in der Mathematik oder vermitteln den Zusammenhang zwischen Lauten und Buchstaben, zwischen Schrift und Sprache, wie es kein anderes Medium vermag. Kindersoftware fšrdert die Entwicklung der Kleinen und ergŠnzt das Kinderbuch und traditionelles Spielzeug.

 

Special Interest-Titel auf DVD oder CD-ROM vermitteln Einblicke in historische oder wissenschaftliche Gegebenheiten, was durch Film- und Tondokumente, Animationen in Modellen und animierten Grafiken verstŠndlicher gemacht wird. Nachschlagewerke in digitaler Form profitieren von Volltextrecherche und sinnstiftender VerknŸpfung von Information. Wissenschaftliche Fachverlage beispielsweise nutzen das Internet als gleichberechtigte Informationsquelle – Medizinstudenten etwa schlagen im Web nach, um Definitionen und Sachverhalte fŸr ihre Arbeiten zu eršrtern.

Der Exotenstatus ist Vergangenheit .

 

Junge Firmen als auch traditionelle VerlagshŠuser mischen im Markt mit und verbessern die Standards elektronischen Publizierens – am Ende profitiert der Kunde. Die Frankfurter Buchmesse hat diese Entwicklung Ÿber all die Jahre begleitet und gibt in Ausstellungen und Veranstaltungen Einblicke in aktuelle Stršmungen und zukŸnftige Markttendenzen. Denn ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar, die Digitalisierung schreitet weiter voran.

 

Seit den Pioniertagen des Electronic Publishing hat sich auf der Frankfurter Buchmesse deshalb einiges geŠndert. FrŸher wurden alle ãneuen MedienÒ gebŸndelt prŠsentiert – egal, welche Zielgruppen sie letztendlich bedienten. So fand sich Sprachlernsoftware neben Online-EnzyklopŠdie, interaktives Computerspiel neben Bibliotheksdatenbank. Inzwischen haben die elektronischen Medien sich wieder ins Sortiment ihrer jeweiligen Herkunftsverlage zurŸckgefunden. Sie werden nicht mehr als Exoten gehandelt, sondern sind zu einem selbstverstŠndlichen Bestandteil der Verlagsprogramme geworden: Lernsoftware gibt es am Schulbuchstand (Halle 3.1). DVDs zur Teenager-Kultbuchserie im Bereich Kinder- und Jugendbuch (Halle 3.0). ReisefŸhrer, die durch Online-Angebote ergŠnzt werden, stellen die Touristikverlage vor (Halle 3.1). Und im Ausstellerbereich ãFach- und Wissenschaftsverlage, InformationsmanagementÒ der Halle 4.2 werden hoch spezialisierte Online-Datenbanken und Digitale Bibliotheken Seite an Seite mit dickbŠndigen juristischen oder medizinischen Nachschlagewerken oder Loseblattwerken prŠsentiert.

 

Volltextsuche, Wiki, Blog & Co. – Crossmedia ist Trend

 

Multimedia war einmal das Wort des Jahres. Heute bestimmen Begriffe wie Weblog, Podcast oder User Generated Content den Zeitgeist. Das neue LebensgefŸhl stellt eine starke Herausforderung fŸr Verlage dar. Weblogs, auch Blogs genannt, sind Webseiten mit stetig wachsenden Inhalten, da meist tŠglich neue EintrŠge hinzukommen. Es entstehen themenbezogene Communities – im Krimiblog stehen Kriminalromane, im Litblog wird Ÿber Literatur diskutiert. WŠhrend der Frankfurter Buchmesse werden dieses Jahr Buchmesse-Blogger unterwegs sein, um stŸndlich ihre persšnlichen EindrŸcke von der Buchmesse zu ãpostenÒ: www.buchmesse.de/blog

 

Dahinter steckt Software, die das Publizieren von Webseiten fŸr jedermann einfach macht, so genannte Weblog Publishing Systeme.

 

WŠhrend Weblogs vornehmlich Text und Bild liefern, verbergen sich hinter Podcasts HšrbeitrŠge, die quasi kompletten Radiosendungen entsprechen. Und mit Wikipedia wŠchst tŠglich ein Gratis-Nachschlagewerk im Web, das bei jungen Menschen schon jetzt hoch im Kurs steht. Google und Amazon stellen eingescannte BŸcher ins Netz und machen Text-Inhalte durchsuchbar.

 

Bei derartigen Tendenzen kšnnen Verlage und Buchhandel nicht untŠtig zusehen. Der Bšrsenverein des deutschen Buchhandels hat die Initiative ãVolltextsuche onlineÒ gegrŸndet, womit die Verlage den Tendenzen im Markt begegnen wollen. In VortrŠgen etwa bei der DGI-Online-Tagung oder im Forum Wissenschaft wŠhrend der Buchmesse werden die aktuellen Entwicklungen vorgestellt und diskutiert. Das gilt ebenso fŸr die Strategie der Verlage, Trends wie Weblogs oder Podcasts zu integrieren und etwa crossmediale Medienmarken aufzubauen. Podcasts nutzt die Buchmesse ohnehin: Informationen zur Buchmesse und das Programm sind bereits jetzt und in neuen Ausgaben wŠhrend der Buchmesse auf der Buchmesse-Webseite zu hšren. Die Sendungen kšnnen direkt auf den iPod oder als MP3-Datei auf den PC geladen werden.

 

Buchbranche trifft Online-Anbieter

 

Dass die diesjŠhrige Online-Tagung der Deutschen Gesellschaft fŸr Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) zeitgleich mit der Buchmesse stattfindet (4. bis 6. Oktober im Congress Center), ist kein Zufall. Hier trifft sich die Informationsbranche und kann an die Tagung gleich einen Gang in die Halle 4.2 der Frankfurter Buchmesse Digital Market Place anschlie§en. Dort sind neben Fach- und Wissenschaftsverlagen und dem Internationalen Bibliotheks-Zentrum auch der Digital Market Place und eine stets wachsende Zahl von Anbietern von Online-Solutions und E-Publishing zu finden. Auch das Gastland Indien prŠsentiert sein Know-how am IT-Gemeinschaftsstand ãIndia ICT PavilionÒ (siehe Infokasten II). Im Forum Fachbuch in Halle 4.2 finden kostenlose Blitzseminare fŸr BuchhŠndler statt, etwa zum Thema E-Marketing.

 

Somit dŸrfte die Halle 4.2 zur Trendschmiede avancieren, wo Informationswissenschaftler und Online-Spezialisten auf Verlagsleute und BuchhŠndler treffen. ãDie Halle 4.2 erlebt eine rasante EntwicklungÒ, resŸmiert Brigitte Klempert, die den Bereich Fachinformationsaussteller der Buchmesse betreut. ãDenn nirgends sonst wird so umfassend und aktuell darŸber informiert, wie beide Branchen im Zeitalter der Digitalisierung zusammenwachsen und welche Entwicklungen in naher Zukunft zu erwarten sind.Ò Die Buchmesse zeigt Trends in der Branche auf. Sie zeigt auch, wie eng Buchverlage und Entwicklungen im Online-Business beieinander liegen.

Infokasten I: Ausstellerstatistik nach Produkten

 

43,1 % BŸcher

8,7 % Zeitschriften, Zeitungen, Journale

8,5 % CD-Roms

6,1 % Kalender, Poster, Postkarten

5,2 % Audio, HšrbŸcher

4,5 % DVD

4,4 % Online

3,4 % Buchkunst, Druckgraphiken, Photographien, GemŠlde, Skulpturen

2,1 % Landkarten

2,0 % Videos

2,0 % Software

1,9 % eBooks

1,5 % Print on Demand

1,3 % Loseblattwerke

1,1 % Merchandising

4.2 % Sonstige

 

aus: Frankfurter Buchmesse, Facts & Figures 2005/2006

 

 

1. Medien als Werkzeuge des Denkens und der Verständigung: Theorie(n)