5. Medien des sprachlichen, literalen und ästhetischen Lernens und Lehrens: didaktische Standards

Stichworte

Die Medien des sprachlichen, des literalen und des ästhetischen Lernens und Lehrens sollten durchdachten, sollten begründeten didaktischen Standards entsprechen. Nur – welchen? Unterrichtsforscher würden darauf bestehen, dass sie aufgaben-, problem- und projektbezogenes Lernen ermöglichen sollten. Lernforschern käme es darauf an, dass diese Medien situiertes und reflexives Lernen fördern. Fachdidaktiker würden darauf bestehen wollen, dass sie verstehens-, erkenntnis- und wissensfördernd sind. Bildungswissenschaftler schließlich würden fordern wollen, dass sie dem Erwerb, der Aneignung von Kernkompetenzen förderlich sind. Usw. usw. – Nur, welches Lehrbuch, welche Lernumgebung kann das alles? Eine empirisch wie theoretisch offene Frage...

Die Entwicklung und Umsetzung von Bildungsstandards für das Schulfach Deutsch zeigt, worauf es ankommt, fachdidaktisch wie kognitions-, lern- und kulturwissenschaftlich: man orientiert sich bei der Festsetzung und Durchsetzung solcher Standards an bestimmten Vorstellungen von der Entwicklung, Aneignung und Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, von Kern-, Sach- und Fachkompetenzen - und ihrer schrittweisen, ihrer stufenweisen Beherrschung; beispielsweise hinsichtlich der (Phasen der) Aneignung von Lesekompetenz. In einem bestimmmten Sinne machen solche Kompetenz(stufen)modelle Gebrauch von der an sich plausiblen Vorstellung, dass man bestimmte Dinge bereits gelernt haben muss, um andere Dinge beherrschen zu können: wer beispielsweise keine Wortartunterscheidungen kennt, wird mit der Aneignung ortho-graphischer Kompetenzen seine Schwierigkeiten haben; wer aus literarischen Texten nur Informationen herauszulesen vermag, weil ihm ästhetische Kompetenzen noch fehlen, der wird die sprachlichen Bilder kaum angemessen verstehen, geschweige denn: werten können.

Der Fall der Bildungsstandards Lesen zeigt aber, dass die entsprechenden Kompetenzmodelle nicht selten ihren Blinden Fleck bei den fachdidaktischen und fachtheoretischen Voraussetzungen haben: wer die sprach-, schrift- und medienwissenschaftlichen Aspekte des Redens, Denkens, Lernens und Wissens mehr oder weniger außer acht lässt, wer sich zum Beispiel das Lesen als einen eher medienindifferenten Prozess von Informationsverarbeitung vorstellt, dem entgehen weitgehend die sprachlichen, literarischen und ästhetischen Dimensionen des Lesens als einer kulturellen Praxis, die sich historisch entwickelt und wandelt. Soweit zu den Medienkompetenz-Standards.

Und Qualitätsstandards für die neuen Bildungmedien selbst? Besser lernen mit Neuen Medien: Wann ist das der Fall, und woran erkennt man, dass tatsächlich besser gelernt wird? Die Einschätzung und Bewertung der Qualität neuer Lern- und Bildungsmedien hängt offensichtlich ab von jenen bildungs-, lern-, unterrichtswissenschaftlichen, von fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen sowie technologischen Kriterien ihrer Entwicklung und Anwendung, die ins Spiel kommen, sobald wir uns für eine bestimmte Bildungssoftware entscheiden. Und das kann schwierig sein:

Wenn die Geschichte der Kreuzzüge für die Sekundarstufe I einen Ritter präsentiert, der bei der Eroberung einer Festung wie im Selbstgespräch das historische Wissen des späten 20. Jahrhunderts verlauten lässt, dann stimmt da mindestens fachdidaktisch etwas nicht. Wenn ein mathematikdidaktisch ambitioniertes Problemlösungsprogramm schon hinter den computertechnischen Möglichkeiten der offeneren Gestaltung von alternativen Lernwegen deutlich zurückbleibt, dann wird das Neue Medium auch nicht unbedingt zu bevorzugen sein.

Worauf es also ankommt, das ist mediendidaktische Forschung. Forschung, die die Produktion und Rezeption von digitalen Bildungsmedien untersucht; die Konzepte ihrer Gestaltung, die Situationen ihres Einsatzes, die Ergebnisse ihrer Anwendung. Der Exkurs Didaktische Medien skizziert Schlüsselprobleme solcher Forschung.

6. Weitere Informationen: Unterrichtsprojekte, Schulnetzwerke, didaktische Web-Adressen