3. Medien des Deutschunterrichts der Sekundarstufe(n): Beispiele, Überblick, Hinweise

Stichworte

Sprache, Schrift, Text und Bild sind nach wie vor die elementaren Medien des Sprach- und Literaturunterrichts; elementar sind sie es in genau dem Sinne, dass der sinnvolle und zweckmäßige Gebrauch und das durchdachte Verständnis der Neuen Medien nicht ohne sie zu haben sind. Wer zum Beispiel nicht textkompetent ist, der wird auch mit den computerbasierten Textverarbeitungssystemen nicht wirklich umgehen können. Und wer nicht argumentationsfähig ist, wird mit der Gestaltung seiner Power-Point-Präsentationen seine Schwierigkeiten haben.

Aber die weiter fortschreitende Technisierung des Redens und des Schreibens setzt nicht nur Sprach- und Schriftkompetenz voraus - sie verändert sie auch. Die Werkzeuge, die Technologien der Kommunikation beeinflussen auch die Formen der Kommunikation. Die Technisierung des Wortes (Walter Ong) im Medium der Schrift zum Beispiel hat historisch wie systematisch zu erheblichen Veränderungen der individuellen und der gesellschaftlichen Verständigungsverhätlnisse geführt. Die Möglichkeit, über die Sprache als Medium nachzudenken, die Sprache (wie man sagt) zu vergegenständlichen, war und ist an das Medium Schrift gebunden; Kinder des Grundschulalters lernen bei der Aneignung der Schrift begrifflich zwischen den Wortarten zu unterscheiden: Adjektive schreibt man in der Regel klein, weil man Vergleichsformen bilden kann. Die Schrift, so eine zu Recht vertretende Expertenauffassung, ist gewissermaßen die grammatische Interpretation der Sprache.

Und die relativ neuen Textverarbeitungssysteme? Sie ermöglichen nicht weniger (oft aber auch kaum mehr), als an den Spuren des Denkens auf dem Papier anders weiter arbeiten zu können, als es zu Zeiten der alten Schreibmaschine (ohne die berühmte Löschtaste rückwärts) zuvor je möglich war. Denken Sie an die Möglichkeiten, Textverarbeitungssysteme beim Schreiben von Fach- und Sachtexten im Unterricht zuzulassen, ja, zu fördern: das Operative, das Prozesshafte, das Heuristische des Ausschreibens der Gedanken gewinnt sehr viel mehr an Bedeutung. (Wenngleich Lernende und Lehrende, Laien wie Wissenschaftler nicht selten kaum mehr als reichlich provisorische Textfragmente, sogenannte Textbausteine, dabei zustande bringen.)

Allgemeiner gesagt: die historisch wie systematisch elementaren Kulturtechniken verlieren keineswegs an Bedeutung, sie werden durch die digitale Technisierung transformiert. Und die sprach-, literatur- und kunstwissenschaftliche Mediendidaktik sich mit der Aneignung und Förderung der elementaren und der komplexeren Werkzeuge der Verständigung, des Verstehens, des Denkens, des Lernens und Wissens beschäftigen, also vor allem auch Entwicklungsforschung treiben und vermitteln müssen!

Das gilt auch für die Neuen Medien des Deutschunterrichts. Das alte Sprachbuch wird, wie einschlägige Verlagsangebote zeigen, zunehmend ergänzt, wenn nicht ersetzt durch digitale Lernmedien, die eine andere, eine mehr nutzerorientierte Anwendung versprechen: Interaktivität ist auch didaktisch die Zauberformel - eine Art von Lernumgebung, die sehr viel mehr auf das konkrete Vorwissen, die aktuellen Wissensinteressen, die bevorzugte Art und Weise der Aneignung von Wissen seitens des Users abzustellen vermag. Das alte Lesebuch wird, scheint es, mehr und mehr ersetzt durch Internet- und Software-Angebote, die nicht nur Quellen, sondern auch Editionen sowie Lektüren und Interpretationen mitliefern. (Womit, denkt man manchmal, post-moderne Theorien des Umgangs mit ästhetischen Texten aufs Passendste vorgeführt werden: der Text selbst sei genau das, was das Kontinuum seiner Lektüren, seine Interpretationen ausmache.)

Es gibt, kurz gesagt, eine Reihe von Software- sowie von Online-Produkten auch für den Deutschunterricht. Ausgewählte Beispiele lassen erkennen, wie weit die Entwicklung und die Anwendung, die Produktion und die Rezeption sogenannter Bildungssoftware fürs Fach inzwischen ist – und inwieweit sie all den Verheißungen hinsichtlich des Lernens mit Neuen Medien entspricht, oder auch nicht. Ein paar Beispiele, ein Überblick und weitere Hinweise.

Und ein fachdidaktischer Hinweis vorweg: In einem anspruchsvollen gymnasialen Oberstufenunterricht im Fach Deutsch wären all diese technisierungsbedingten Entwicklungen und Prozesse selbst ein angemessenes Thema. Wie, zum Beispiel, beeinflußt die Strukturierung der besagten Power-Point-Präsentation mein Verständnis der Darstellung von Sachverhalten selbst? (Von anderen einschlägigen Themen ganz zu schweigen.)

4. Der Computer als Werkzeug des Arbeitens, Denkens und Lernens im Literaturunterricht: exemplarische Demonstration