2. Didaktische Medien, Mediendidaktik: fachliche Konzepte und Projekte

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Was didaktische Medien ausmacht und was sie wert sind, erkennt man dann, wenn man über eine tragfähige Theorie didaktischer Medien verfügt. Nur um so eher, allerdings. Denn wie mit Problemen des Erkennens und Verstehens, des Lernens und des Wissens anregen, welche Lernumwelten sie herstellen und bedeuten, welche Konzepte und Modelle des Lehrens und des Unterrichtens in ihnen stecken, welches  fachliche Können und Wissen ihren Entwurf und ihre Gestaltung beeinflusst hat und wie Lernende damit zu lernen vermögen (oder auch nicht) – das alles zeigt sich erst in einer didaktischen, um nicht zu sagen: einer unterrichts- und lernwissenschaftlichen Perspektive.

Und das Internet als digitales Netz schulischen Lernens? E-Learning macht neue Formen der Aneignung von Wissen (und Können) möglich. Formen, die auch unterrichtstheoretisch gesehen durchaus zweckmäßig sind. Das Netz als Lernumgebung fördert ja das problemzentrierte, projektorientierte, das wissensbasierte und wissensfördernde, das kooperative und das individuelle Lernen - geeignete Technologien der Kommunikation und Kooperation und angemessene Medien der Präsentation und Repräsentation vorausgesetzt. Was da geeignet und was angemessen ist, versucht man gegenwärtig herauszufinden; bei schulbezogenen Modellprojekten wie bei hochschulbezogenen Modellversuchen.

Die Konzepte der Gestaltung didaktischer Medien ähneln einander lernwissenschaftlich gesehen durchaus: man versucht virtuelle Lernumgebungen zu entwickeln, die denkbare Situationen der Aneignung von Wissen simulieren. Man konstruiert Szenarien, die die Wahrnehmung, das Verständnis und die Lösung von Problemen ermöglichen, die einen besonderen Bezug zu den Themen des Unterrichts und zum Bildungskanon haben. Dem kommt die digitale Technologie durchaus entgehen. Denn im Unterschied zum Lehrbuch kann ja der Lernprozess durchaus offener strukturiert werden; interaktives Lernen ist möglich. Aber was macht Interaktivität aus?

Computertechnisch mögliche Verzweigungen und Verknüpfungen von Lerninhalten sind eines; didaktisch und fachlich zweckmäßige Verzweigungen von Lernwegen etwas anderes. Manche Projekte des Lernens im Internet spielen zu sehr mit den technologischen Möglichkeiten des digitalen Mediums, anstatt auf die konzeptionell überzeugenden des digitalen Contents zu setzen. Didaktische Phantasie läßt sich aber nicht durch technisches Know-How kompensieren. Computertechnische Interaktivität ist eben noch lange nicht didaktische Interaktivität.

Wie unterscheidet man dann zwischen guten und weniger guten didaktischen Medien? Was macht die Qualität hypermedialer Bildungsangebote aus? Offensichtlich kommt es auf bei der Gestaltung didaktischer Medien (und selbstverständlich auch bei Umgang mit ihnen) auf mehr als nur technologische Kompetenz - und didaktische Kompetenz an. Neue Lernmedien sind Hypermedia, und als solche auch zu gestalten, zu gebrauchen und zu sehen. Also spielen auch Text-, Hypertext-, Text-Bild- und Hypermedia-Qualitätstandards eine Rolle, nicht zuletzt auch medienästhetische. Und keine Frage: diese Standards sind nicht theoriefrei zu haben; naive, alltagsweltiche Text-, Bild- und Medientheorien etwa tragen kaum etwas zum Design und zur Analyse hypermediale Lernumgebungen bei.

3. Medien des Deutschunterrichts der Sekundarstufe(n): Beispiele, Überblick, Hinweise