1. Medien als Werkzeuge des Denkens und der Verständigung: Theorie(n)

Stichworte

Die Sprache, die Schrift, der Text das Bild, die audiovisuellen und die digitalen Medien gelten zu Recht als Werkzeuge der Verständigung, des Verstehens, des Denkens, Lernens und Wissens. Aber inwiefern zu Recht? Bilden Medien die Dinge ab, wie sie sind? Oder erzeugen sie unsere Bilder der äußeren, der inneren und der sozialen Welten? Stimmen also eher Abbildtheorien, oder stimmen eher (Radikal-)Konstruktivistische Theorien des Mediums, der Medialität? Aktuelle wissenschaftliche Theorien sprechen eher dafür, dass weder die eine, noch die andere Medientheorie stimmt – und die Dinge etwas anders liegen. Inwiefern, das versucht der folgende Exkurs zur Medientheorie darzustellen.

Die Medien, so wird im Exkurs argumentiert, sind so etwas wie Werkzeuge (Organe, hat Wilhelm von Humboldt im Hinblick auf die Sprache gesagt; Cognitive Tools nennt sie etwa D. Dennett), mit denen wir anderen und uns selbst gegenüber artikulieren, wie wir die Welt da draußen, die eigene Innenwelt, die soziale Welt wahrnehmen, verstehen und begreifen. Die verschiedenen Medien konkurrieren nicht miteinander, sie konvergieren zueinander. Die Mediengeschichte zeigt, dass die verschiedenen Medien als unterschiedliche Technologien des Geistes eine unterschiedliche Rolle spielen - und einander weniger verdrängen als vielmehr überlagern.

Medien bilden die objektive, die subjektive und die intersubjektive Welt nicht ab; sie ermöglichen überhaupt erst die Wahrnehmung, das Verstehen und die Erkenntnis dessen, was da draußen, was in uns, was zwischen uns vorgeht. Die Medialität unseres Verhältnisses zur Außenwelt, zur Innenwelt und zur sozialen Welt ist, so der zentrale Gedanke des Exkurses, gewissermaßen unhintergehbar.

Die Abbildtheorie der Medien verkennt (wie gleichermaßen auch der Radikale Konstruktivismus), dass sich "Wahrnehmen und Erkennen" "nicht ohne Medien vollziehen - nicht ohne vermittelnde, tragende Elemente, die im Erkennen wirksam sind, ohne Gegenstand des jeweiligen Erkennens zu sein." (Martin Seel) Im wunderbaren, durchaus aktuellen Bild von W. v. Humboldt gesprochen: "Die Sprache ist das bildende Organ des Gedanken." Und das so: Indem ich meinem Gedanken für die andere Person eine lautlich fassbare Gestalt gebe, objektiviert sich mein Denken auch für mich selbst. Und wie das? Wenn ich mich lautlich artikuliere, dann dringt der Schall meiner Sprache an das Ohr der anderen Person - und an mein eigenes Ohr zurück, wie wenn ein anderer zu mir spräche. Und eben so objektiviert sich mein Denken im Dialog.

Und wenn die Schrift hinzu kommt, Literalität? Wenn das Kind lernt, Spuren seines Denkens auf dem Papier zu hinterlassen? Also zu schreiben (und zu lesen)? - Der medientheoretische Exkurs gibt auch auf diese Frage eine erste Antwort. Und was die Digitalisierung der kulturellen Medien texttheoretisch gesehen bedeutet, verdeutlicht ein technologiebezogener Exkurs. Und ein dritter, ein hypertexttheoretischer Exkurs. Studieren Sie vielleicht auch den Exkurs zur Theorie, Geschichte und Didaktik des Lesens: Sie werden sehen, welche Bedeutung das Lesen und Schreiben der Texte für die Entwicklung des (höherstufigen) Denkens des Kindes hat!

Eine recht schematische Skizze des Systems und der Interaktion der kulturellen Medien mag die Zusammenhänge illustrieren.

2. Didaktische Medien, Mediendidaktik: fachliche Konzepte und Projekte