Didaktisches Coaching
Wissenschaftliche Beratung und Begleitung des Unterrichtens

Jetzt mach aber mal nen Punkt! - Gut, ist ja gut!
 
Der Punkt ist im Vergleich zum Rest des Bildes klein, aber durchaus auch ausgedehnt.
.

Der Punkt ist ein typographisches Satzzeichen. Er beendet einen Aussagesatz. Und die Kurzform eines Satzes.
Er steht nach Abkürzungen. Er findet Verwendung bei der Kennzeichung von Zahlen. Drei Punkte hintereinander
markieren eine Auslassung...


In der axiomatischen Geometrie ist der Punkt das grundlegende Element.
Einen solcher Punkt fasst man als ein nulldimensionales Objekt ohne jede Ausdehnung auf.
Man kann alle anderen geometrischen Objekte als Mengen von Punkten definieren.


Es gibt Sätze, mit denen nicht gefragt und nicht aufgefordert wird.
Wir nennen sie Aussagesätze. Nach Aussagesätzen steht ein Punkt.


 

Coachingkonzept
         
Intention

Problemfeld

Kerncurriculum Lehrerbildung

Evaluative Kompetenz
Beratungskompetenz

Praxisfelder


Situationen


Methoden

... und seine Bezugspunkte:          


Adresssaten

Coach

Forschungskontexte

Diagnostische Expertise: Das Fachsprachenproblem

Ein Thesenpapier: Förderung in der  deutschen Sprache als Aufgabe des Unterrichts in allen Fächern  (Fachtagung Landesinstitut NRW, Soest, 1. - 3. Dezember 1999)


(1) Fachunterricht ohne sprachliche  Tätigkeiten und Fähigkeiten?  - Ein Gedankenexperiment

 Der Fall: Eine Physikstunde in der Sekundarstufe I: Wie kommt es,  daß ein Flugzeug in der Luft bleibt? Oder: Was ist “Auftrieb”?

Problem: Läßt sich ein Experiment denken, planen, ausführen und  auswerten, ohne daß sprachliche Kommunikation im Spiel wäre?  Ginge es ohne die Sprache, die Schrift, ohne bildsprachliche,  graphische, formalsprachliche Darstellungsmittel? Wie würden die  am Experiment Beteiligten ihre Absichten, Ziele, Planungen, Versuche,  Auswertungen koordinieren? Wie würden sie ihre Wahrnehmungen,  Beobachtungen, Erkenntnisse, Einsichten aufeinander abstimmen? Wie  wüßten sie, auf was sie beim gemeinsamen Handeln Bezug  nehmen? Wie wäre so etwas wie Lernen und Wissen dann möglich?

These 1: Ohne Medien der  Kommunikation (die Sprache, die Schrift, graphische, formale usw.  Notationssysteme) kann es kein kooperatives Handeln, kein kollaboratives Lernen geben.

(2) Fachunterricht bedarf sprachlicher  Tätigkeiten und Fähigkeiten! - Vor allem dieser:

 Wahrnehmungen mitteilen können
 Beobachtungen zur Sprache bringen können
 Sachverhalte darstellen können
 Behauptungen begründen können         
 Feststellungen treffen können
 Sachverhaltsdarstellungen interpretieren und formulieren können
 Lesen und schreiben können (Texte, Bilder, Grafiken, Filme, ...)
 Sich fachsprachlich verständigen können
 Fachsprachliche Begriffe verstehen und gebrauchen können
 Formalsprachliche Notationen (bes. prädikatenlogische,  programmiersprachliche lesen und schreiben können     
 ...            

Problem: Wie eignen  sich Lernende die (fach)sprachlichen Mittel der Kommunikation über  fachliche Sachverhalte an? Wie verläuft ihre fachliche  Begriffsbildung? Wie kommen sie von den alltagssprachlichen zu den  fachsprachlichen Darstellungen und Verständnissen der Probleme?

These 2: Die Einführung in  fachsprachliche Unterscheidungen ist ein wesentliches Moment des  fachlichen Unterrichts. Und: sich in einem Fach in der Sache einen  Begriff von etwas zu machen, heißt ganz wesentlich auch: zwischen  alltagsweltlichen und fachweltlichen Unterscheidungen zu unterscheiden lernen. Das geeignete Lehr-Lern-Verfahren ist ein sprachkritisches:  Schülerinnen und Schüler sollten lernen, daß es  (fachliche) Vokabulare gibt, die aufgaben- und problemspezifisch sind -  und eben deswegen gerade nicht mit den Vokabularen der  alltäglichen Erfahrungswelt gleichgesetzt werden können. (Sie  sollten allerdings auch lernen können, daß die  Alltagssprache durchsetzt ist mit fachsprachlichen Vokabularen der  Traditionen der Wissenschaften...)

Erläuterung:   Die Praxis der Begriffsbildung und Begriffskritik ist eine  sprachanalytische: Sie macht explizit, wie wir über fachliche  Sachverhalte implizit denken und reden, während wir darüber  denken und reden. Die Sprachanalyse ist, so ließe sich auch  sagen, eine dialogische, eine soziale Praxis der rationalen  Rekonstruktion dessen, was wir in fachlichen Handlungs- und  Argumentationszusammenhängen tun, sagen und denken. Wir bringen  damit zum Ausdruck, arbeiten damit heraus, was wir beim fachlichen  Handeln, Reden und Denken im Kopf haben. (Brandom 1994) Und wie  können wir dabei wissen, was wir im Kopf haben? Abbildtheoretische  (repräsentationalistische) Sprachtheorien suggerieren: indem wir  in unseren eigenen Kopf gucken (oder gucken lassen). Aber - das ist bei  näherer Betrachtung nichts, was den Gedanken sprachlicher  Repräsentationen von gedanklichen Repräsentationen neuronaler  Repräsentationen abbildtheoretisch rechtfertigen würde: der  Repräsentationalismus ist kognitionswissenschaftlich gesehen  science fiction. (Schwemmer 1997) "Language makes minds of our brains."  (Dennett 1997)

(3) Das “Wechselverhältnis  zwischen fachlichem und sprachlichem Lernen” sollte medientheoretisch  verstanden werden!

Kritik: Zwei immer  noch übliche (abbildtheoretische) Vorstellungen sind in Frage zu  stellen: Weder ist die Sprache ein Werkzeug, daß uns den  unmittelbaren Zugang zur Wirklichkeit verstellt (oder erschwert); noch  ist sie ein Werkzeug, daß unseren eigentlichen Zugang zur  Wirklichkeit bestimmt. Die Sprache ist, die Sprachen sind vielmehr  Medien der Darstellung der Wirklichkeit; in ihnen artikulieren wir -  anderen und uns selbst gegenüber - unsere Wahrnehmungen und  Auffassungen dessen, was für uns der Fall ist. (Davidson 1997;  1993)

These 3: Sprache, Schrift und  die weiteren Medien sind aber keineswegs nur Verständigungsmittel;  sie sind darüber hinaus auch Denkwerkzeuge. Sie ind zugleich  kommunikative und kognitive Tools. (Clark 1997) Das problembezogene  fachliche Denken gewinnt eine für andere und für uns selbst  faßbare Gestalt im (wort-, bild-, zeichen- notations- usw.)  sprachlichen Ausdruck. Das fachliche Denken findet seinen Ausdruck in  symbolischen Darstellungen (in “symbolischen Repräsentationen”) -  aber es geht nicht in in ihnen auf!

Erläuterung: Die  Schrift war (und ist!) ein sehr wesentliches Medium fachlichen und  wissenschaftlichen Denkens: Das Denken hinterläßt  gewissermaßen Spuren auf dem Papier ,es wird externalisiert - und  eben das ermöglicht uns einen anderen Umgang mit unseren Gedanken.  Wir können uns zu unseren Gedanken anders verhalten, können  auf andere Weise über unser Denken nachdenken; höherstufiges  Denken wird möglich. (Clark 1997; 1998) Eben deswegen ist  fachliches Lernen ohne Sprach- und Schriftkompetenz nicht denkbar,  nicht lern- und lehrbar. (Alle modernen Institutionen der Bildung und  Ausbildung sind ohne Schrift schlicht undenkbar.) (Goody 1990; Ong 1987)

Eine Folgerung: Redet  um Sachen! - Ja, in problemrelevanten, problemangemessenen  verständlichen Sprachen!

(4) Die Medialität der  kommunikativen und kognitiven Prozesse (und Strukturen) ist das Faktum,  das auch das Lernen und Lehren in den Sachfächern (endlich) zur  Kenntnis zu nehmen hat!

Problem, nochmals: Lernende haben es heute allen möglichen medialen Darstellungen von  (fachlichen) Sachverhalten zu tun: mit verbalen, literalen, pikturalen,  multi- und hypermedialen. Wie können sie dann ein Verständnis  von, einen Begriff von der Sache selbst entwickeln?

These 4: Gerade auch im Sach-  und Fachunterricht sollten Lernende die Chance haben können, die  mediale Formung der Darstellung und des Verständnisses von  Sachverhalten (in Lehrbüchern, in Lernmedien) begreifen zu lernen.  Sie sollten, reichlich bildlich gesagt, die medialen Brillen zu sehen lernen, durch welche sie sehen lernen sollen - und können.  (Krämer 1998)

Erläuterung: Dabei ist medienanalytisches und medienkritisches Können und  Wissen unerläßlich - auch für die Lehrenden. Es ist  eine Illusion, daß medial indifferente Verbalisierungen und  Visualisierungen fachlicher Sachverhalte möglich sind. Und es ist  eine Fiktion, mit medienneutralen Problem- und Gegenstandsdarstellungen arbeiten zu können. (Nehmen Sie, zum Beispiel, die wort- und  bildsprachlichen Darstellungen geografischer Sachverhalte in den  Erdkundebüchern wie Länder und Völker: Texte, die sich  bestimmten literarischen Abbildungen, die sich bestimmten  ästhetischen Traditionen verdanken...)  
Eine Folgerung:  Lehrerinnen und Lehrer sollten mit den medialen Traditionen,  Konventionen und Innovationen der Darstellung fachlicher,  fachwissenschaftlicher Sachverhalte vertraut (gemacht) sein.

(5) Was sich am Unterricht ändern  sollte, um das so verstandene “Wechselverhältnis zwischen  fachlichem und sprachlichem Lernen” zu “optimieren”

These 5: Das fachsprachliche  Können sollte gefördert werden; allerdings gilt:  Einübung statt Belehrung! Das fachsprachliche Wissen sollte  gefördert werden; allerdings: am besten in einem die Sprach- und  Sachfächer übergreifenden problemzentrierten und  projektorientierten Unterricht!

 Und wie? Darüber wäre in der AG nachzudenken!

(6) Materialien: Das zeichen- und  medientheoretische Basiskonzept

Nach Martin Seel: Bestimmen und Bestimmen lassen. Anfänge einer  medialen Erkenntnistheorie. In: DVPhil Berlin 46, 1998, 3; 351 -365.

 Davidsons Perspektive (Davidson 1997): “Seeing through Language”:
 "We see the world through language; but how should we understand this  metaphor?" (Davidson 1997; 15) Die "role of language in our thinking  about the world" (17): "that language is opaque, hiding the real thing  from us"; "that language is a translucent medium, leaving its own  character written on everything in its domain"; "that language is  transparent, a medium that can accurately represent the facts".  (Davidson 1997; 17)

 Aber: "language is not a medium through which we see; it does not  mediate between us and the world. (...) Language does not mirror or  represent reality, any more than our senses present us with no more  than appearances." (Davidson 1997; 18) "We do not see the world through  our eyes, but with them. (...) The is a non-metaphorical point of my  titel. There is a valid analogy between having eyes and eares, and  having language: all three organs with which we come into direct  contact with our environment. There are not intermediaries, screens,  media, or windows." Und: "there is no such thing as a language apart  from from the sounds and marks people make, and the habits and  expectations that go with them." (Davidson 1997; 18) - Also: die  Sprache ist so etwas wie ein Wahrnehmungs-, Unterscheidungs-, Bestimmungsorgan.

(7) Literaturhinweise

 Brandom, R. B.: Making It Explicit. Reasoning, Representing, and  Discursive Commitment. Cambridge (Mass.) 1994.

 Clark, A.: Beeing There. Putting Brain, Body, and World Together Again.  Cambridge, Mass. 1997.

 Clark, A.: Magic Words: how language augments human computation. In:  Carruthers, P./Boucher, J. (eds.): Language and Thought.  Interdisciplinary Themes. Cambridge 1998; 162 - 183.

 Davidson, D.: Subjektiv, Intersubjektiv, Objektiv. In: Merkur 11/1991;  999 - 1014. (Wieder abgedruckt in: Davidson, D./Fulda, H.-F.: Dialektik  und Dialog. Frankfurt am Main 1993.)

 Davidson, D.: Seeing through Language. In: Preston, J. (ed.): Thought  and Language. Cambridge 1997.

 Dennett, D. C.: "Language makes minds of our brains." Times Literary  Supplement No. 4940, 1997; 10.

 Goody, J.: Die Logik der Schrift und die Organisation von Gesellschaft.  Frankfurt am Main 1990. (Original: 1986.)

 Krämer, S.: Was ist ein Medium? Geistes- und  kulturwissenschaftliche Perspektiven. Von der sprachkritischen zur  medienkritischen Wende? Ein Kommentar zur Mediendebatte in sieben  Thesen. (Internet 1998.)    

 Ong, W.: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des  Wortes. Wiesbaden 1987.

 Schwemmer, O.: Der menschliche Geist: Ein "Phänomen" zwischen den  Phänomenen. In: ders.: Die kulturelle Existenz des Menschen.  Berlin 1997; 96 - 117.    

 Seel, M.:  Vor dem Schein kommt das Erscheinen. Bemerkungen zu  einer Ästhetik der Medien. In: Merkur 9/10/1993; 770 - 783.

 Seel, M.: Medialität der Realität und Realität der  Medien. In: Krämer, S. (Hg.): Medien - Computer - Realität.  Fankfurt am Main 1998; 244 - 268.

 ______________________

Prof. Dr. Bernd Switalla
 Fakultät für Linguistik
 und Literaturwissenschaft
 Universität Bielefeld


                                    
 
 
 

DidaktischesCoaching
Das Coachingkonzept
Praxisfelder
Situationen
Coach
Forschungskontexte
Alle Rechte vorbehalten.